Installation view, 7mx7mx10m, Berghain Kubus
Installation view, Berghain Kubus
Installation view, 7mx7mx10m, Berghain

10 (2014)

Chromed tin and hydroetched glass, painted wood and digital printed fabric
700cm x 700cm x 100cm

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Metropolis I—aka Guest List

For the exhibition 10 in connection with the ten-year anniversary of the underground Berlin club Berghain, Viron Erol Vert created a walk-through installation that stages a microcosm of club culture and the play with identities that prevails there as a labyrinth full of reminiscences of past eras, thus developing a concept of human perception beyond day-to-day reality that transcends time and culture. The form of the labyrinth, which has been given diverse symbolic meanings since antiquity and whose origins are still unexplained today, is considered to be one of the oldest forms of European cultural heritage. Although still understood in medieval churches as a symbol for the soul’s path to salvation, in the Baroque era, labyrinths were further developed to become walk-through mazes providing exclusively recreational pleasures and giving visitors an experience of losing their bearings and getting lost. Transferred to the present time, this Baroque understanding corresponds to what visitors expect of a club like Berghain—it is also a place where people are able to escape reality for the duration of their stay and concentrate exclusively on their senses. Both cases involve protected spaces where people—surrounded by hedges or darkness—are able to surrender themselves unhindered to pleasure and live out fantasies without a chance of them reaching the outside world. What result are parallel worlds where all laws seem to have been abolished and where it is hence possible to assume other identities and be perceived accordingly by others. Metropolis I opens up paths toward comprehending and experiencing analogous actions and interactions. The sculpture is simultaneously a reinterpretation and further development of labyrinthine forms, which, as a contemporary variant, corresponds to the construct of clubs today.
Surrounded by curtains marking the boundary to the outside world, screens of various heights coated with black piano lacquer form a labyrinth that reflects the spatial and communicative structures of a club as well as possible viewers and how they perceive themselves. In contrast to this, glass cases and mobile stalls, which have been used in Istanbul for presentation based on traditional handwork and the selling of goods since the time of the Ottoman Empire, symbolize the individuals who position, offer, and display themselves in part inside, in part outside these structures. Various geometric forms, which are also found again in the spatial structure and arrangement of the individual elements, stand for individual personality traits or feelings, making each glass case a unique, personalized specimen. The emptiness inside the glass cases and the smooth, reflective surfaces give rise to an atmosphere of rejection and loneliness, but at the same time form a projection surface for viewers’ perceptions and expectations. Like in a hall of mirrors, the installation gives visitors insights into their own as well as alien identities, which are constituted anew in interplay with the surroundings. The combination of individual elements and the individual perceptions of viewers results in the creation of a space that opens up new perspectives between exhibitionism and voyeurism, the modern and the archaic, anonymity and communication.

Text / Nina Lörken

10

METROPOLIS I‭ – ‬aka Gästeliste

Für die Ausstellung‭ „‬10‭“ ‬zum‭ ‬10.‭ ‬Geburtstag des Berliner Underground-Clubs Berghain hat Vert eine begehbare Installation geschaffen,‭ ‬die den Mikrokosmos der Clubkultur und das dort herrschende Spiel mit den Identitäten als Irrgarten voller Reminiszenzen an vergangene Epochen inszeniert und damit ein zeit-‭ ‬und kulturübergreifendes Konzept menschlicher Wahrnehmung außerhalb der Alltagsrealität entwickelt.‭

Die Form des Labyrinths,‭ ‬das seit der Antike mit vielfältigen symbolischen Bedeutungen versehen wurde und dessen Entstehung bis heute ungeklärt ist,‭ ‬ist eine der ältesten Formen europäischen Kulturguts.‭ ‬Nachdem Labyrinthe in mittelalterlichen Kirchen noch als Symbol für den Weg der Seele zur Erlösung genutzt wurde,‭ ‬hat man ihre Struktur im Zeitalter des Barocks zu begehbaren Irrgärten weiterentwickelt,‭ ‬die ausschließlich dem Freizeitvergnügen dienten und den Besuchern ein Erlebnis von Verirren und Verlieren ermöglichten.‭ ‬Übertragen auf die heutige Zeit entspricht diese spätere Zielsetzung dem,‭ ‬was ein Besucher sich von einem Club wie dem Berghain erwartet.‭ ‬Denn auch hier handelt es sich um einen Ort,‭ ‬an dem die Menschen für die Dauer ihres Aufenthalts der Realität entfliehen und sich ausschließlich auf ihre Sinne konzentrieren können.‭ ‬Beides sind geschützte Räume,‭ ‬in denen man sich‭ – ‬umgeben von Hecken oder Dunkelheit‭ – ‬ungehindert dem Vergnügen hingeben und Fantasien ausleben kann,‭ ‬ohne dass dies an die Außenwelt gelangen könnte.‭ ‬Es entstehen Parallelwelten,‭ ‬in denen andere oder gar keine Gesetze gelten und in denen es gleichsam möglich ist,‭ ‬andere Identitäten anzunehmen und von anderen entsprechend wahrgenommen zu werden.‭ ‬Metropolis I eröffnet Wege,‭ ‬die entsprechenden Aktionen und Interaktionen nachzuvollziehen und zu erleben.‭ ‬Gleichzeitig ist die Skulptur eine Neuinterpretation und Weiterentwicklung labyrinthischer Formen,‭ ‬die als zeitgenössische Variante dem heutigen Konstrukt eines Clubs entspricht.‭ Umgeben von Vorhängen,‭ ‬die die Grenze zur Außenwelt markieren,‭ ‬bilden unterschiedlich hohe,‭ ‬mit schwarzem Pianolack lackierte Paravents ein Labyrinth,‭ ‬das die räumlichen und kommunikativen Strukturen eines Clubs wie auch den Betrachter und seine Wahrnehmung von sich selbst reflektiert.‭ ‬Im Kontrast dazu symbolisieren gläserne Vitrinen und mobile Verkaufsstände,‭ ‬die in Istanbul schon seit der Zeit des Osmanischen Reichs zur Präsentation nach traditionellem Handwerk hergestellt und zum Verkauf von Waren verwendet werden,‭ ‬die einzelnen Individuen,‭ ‬die sich teils innerhalb,‭ ‬teils außerhalb dieser Strukturen positionieren,‭ ‬anbieten und zur Schau stellen.‭ ‬Unterschiedliche geometrische Formen,‭ ‬die sich auch in der räumlichen Struktur und der Anordnung der einzelnen Elemente wiederfinden,‭ ‬stehen dabei für individuelle Charakterzüge oder Gefühle und machen jede Vitrine zu einem personalisierten Unikat.‭ ‬Die Leere im Inneren der Vitrinen und die glatten,‭ ‬spiegelnden Oberflächen kreieren eine Atmosphäre von Abweisung und Einsamkeit,‭ ‬bilden jedoch gleichzeitig eine Projektionsfläche für die Vorstellungen und Erwartungen des Betrachters.‭ ‬Wie in einem Spiegelkabinett gewährt die Installation dem Besucher einen Blick auf eigene und fremde Identitäten,‭ ‬die sich im Zusammenspiel mit der Umgebung neu konstituieren.‭ ‬Durch die Kombination der einzelnen Elemente und die individuelle Wahrnehmung des Betrachters entsteht ein Raum,‭ ‬der zwischen Exhibitionismus und Voyeurismus,‭ ‬Moderne und Archaik,‭ ‬Anonymität und Kommunikation neue Perspektiven eröffnet.

Text/ Nina Lörken